Flyer Hörste Ende d. 50er 1 1 / 2

Flyer Hörste Ende d. 50er 1
Dieser Flyer über Hörste sieht auf den ersten Blick eher unspektakulär aus. Beim genauen Hinschauen stellt sich allerdings heraus, dass wir aus ihm eine Menge über das alte Hörste lernen können. Daher wollen wir uns mit diesem Flyer etwas genauer befassen.
Zuerst zur Datierung:
Wie man aus der Auflistung der damals bestehenden Hotels und Gaststätten auf der Seite 2 sehen kann, gab es bereits das „Bergheim Hörste“ (das spätere Heinrich-Hansen-Haus). Das wurde 1954 eröffnet. Der Flyer muss also nach 1954 entstanden sein. Das „Haus Stapelage“ taucht noch nicht auf. Es wurde 1960 eröffnet. D. h., dass der Flyer vor 1960 entstanden sein muss. Dazu passt auch, dass das Freibad noch nicht renoviert ist (das geschah erst 1960), sondern dass noch das alte Freibad von 1949 mit dem Holzbalken in der Mitte abgebildet ist.
[Hinweis: Über die Geschichte des Freibades, das „Bergheims“ und des „Hauses Stapelage“ wird es noch gesonderte Fotos und Beiträge geben, ebenso wie über die verschiedenen Gaststätten.]
Einige ursprünglich nicht aufgeführte Pensionen, die offenbar entweder vergessen oder aber zwischenzeitlich neu hinzugekommen waren, und eine Nummerierung sind als Notizen in blauer Schrift nachgetragen worden. Daran wird deutlich, dass es in Hörste Ende der Fünfzigerjahre also 24 Pensionen bzw. Übernachtungsbetriebe und acht Hotels bzw. Gaststätten gab. Etwas später kamen auch noch die Gaststätte Bienenschmidt, dass Gasthaus Walter (Hörsterbruch) und die Gaststätte „Zur Sonne“ (Hörsterbruch) dazu. Ohne die Betten der beiden Tagungshäuser, die hier noch nicht dazu gerechnet sind, sondern später noch dazukamen, hatte Hörste also damals allein durch die Pensionen und Übernachtungsbetriebe 315 Betten anzubieten.
Von den acht Hotels bzw. Gaststätten hatten immerhin schon sechs einen Telefonanschluss. Von den 24 Pensionen und Fremdenheimen hatten nur acht einen Telefonanschluss. Man sieht: Auch ein Telefonanschluss war Ende der Fünfzigerjahre noch keineswegs eine Selbstverständlichkeit, selbst für Geschäftsbetriebe nicht.
Unter den Ausstattungsmerkmalen wird auch aufgeführt, dass drei Pensionen bereits eine Zentralheizung hatten. Man fragt sich: Was war mit den restlichen? In den Sommermonaten musste sicherlich nicht geheizt werden. In den Wintermonaten waren wahrscheinlich kaum Gäste da. Aber in den Übergangsmonaten mussten sicher ab und zu die Holz- bzw. Kohleöfen angeworfen werden – oder die Gäste mussten frösteln. Aber da eine solche Situation damals für alle der Normalfall war, für die Gäste sicher auch zu Hause, dürfte es wahrscheinlich nur wenig Beschwerden gegeben haben.
Ähnliches gilt für die Wasserversorgung: Man sieht aus der Aufstellung, dass bereits alle Pensionen und Fremdenheime über fließend Wasser verfügten. Das bedeutete, dass mindestens ein Waschbecken mit einem Wasserhahn im Zimmer war - meistens natürlich mit kaltem Wasser. Aber selbst das war noch keineswegs selbstverständlich. Denn erst 1953/54 hatte der Gemeinderat den Bau einer Wasserleitung mit Anschlusszwang für alle beschlossen. Bis dahin musste man das Wasser entweder aus Brunnen entnehmen oder per Eimer und Karre aus der Rethlage holen. Auch in den dreißiger Jahren gab es schon Fremdenverkehr und Pensionen in Hörste, und zu der Zeit war das Wasserholen aus Brunnen und Bächen noch ziemlich selbstverständlich. Man kann sich vorstellen, dass unter diesen Umständen die tägliche Hygiene aus verständlichen Gründen manchmal auch eher sparsam ausfiel … Aber: Es ging irgendwie auch!
Um vor allem für die Sommergäste, aber auch für Einheimische verbesserte Möglichkeiten zum Baden zu schaffen, wurde 1930 in der (früheren) Mühlenstraße (heute: Distelkamp) ein kleines Badehaus gebaut. Später gab es Dusch- und Bademöglichkeiten im Keller der neuen Volksschule. Darauf gehen wir allerdings in gesonderten Beiträgen noch einmal genauer ein.

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